Ihre Solaranlage ist der Witterung ausgesetzt und damit verschiedenen Risiken wie Hagel, Sturm, Blitzschlag und Schneedruck unterworfen. Auch wenn moderne Solarmodule sehr robust sind und extremen Bedingungen standhalten koennen, sind Schäden nie voellig auszuschliessen. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Ihre Solaranlage richtig versichern, welche Schäden typischerweise auftreten und wie Sie im Schadensfall korrekt vorgehen.
Versicherungsschutz für Solaranlagen in der Schweiz
Obligatorische Gebaeudeversicherung
In den meisten Schweizer Kantonen ist die Gebaeudeversicherung obligatorisch und wird von der kantonalen Gebaeudeversicherung getragen. Solaranlagen, die fest mit dem Gebaeude verbunden sind, gelten in der Regel als Bestandteil des Gebaeudes und sind damit automatisch in der Gebaeudeversicherung mitversichert. Die kantonale Gebaeudeversicherung deckt typischerweise Schaden durch Feuer, Blitzschlag, Explosion, Sturm, Hagel und Wasser ab. Der Versicherungsschutz tritt ein bei Sachschaeden an den Modulen, dem Wechselrichter, dem Montagesystem und der Verkabelung.
Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Kantonen hinsichtlich der Deckungssumme und der versicherten Risiken. In einigen Kantonen muessen Sie die Solaranlage bei der Gebaeudeversicherung anmelden und den Versicherungswert aktualisieren lassen. In Kantonen ohne obligatorische Gebaeudeversicherung wie Genf, Wallis und Tessin muessen Sie die Versicherung privat abschliessen. Informieren Sie sich bei Ihrer kantonalen Gebaeudeversicherung über den konkreten Versicherungsschutz für Ihre Solaranlage.
Zusatzversicherungen
Neben der Gebaeudeversicherung gibt es verschiedene Zusatzversicherungen, die Ihren Schutz erweitern koennen. Eine Ertragsausfallversicherung entschaedigt Sie für den entgangenen Stromertrag waehrend der Reparaturzeit. Dies ist besonders relevant, wenn die Reparatur mehrere Wochen dauert und Sie in dieser Zeit keinen Solarstrom produzieren und keine Einspeiseverguetung erhalten. Eine Maschinenkaskoversicherung oder Elektronikversicherung kann zusaetzliche Risiken abdecken, die von der Gebaeudeversicherung nicht erfasst werden, beispielsweise Schäden durch Bedienungsfehler, Kurzschluss oder Materialermuedung.
Eine All-Risk-Versicherung bietet den umfassendsten Schutz und deckt grundsaetzlich alle Schäden ab, sofern sie nicht explizit ausgeschlossen sind. Diese Versicherung ist in der Regel teurer als die Standarddeckung, bietet aber einen lueckenlosen Schutz. Die Kosten für Zusatzversicherungen liegen typischerweise bei CHF 50 bis CHF 200 pro Jahr, je nach Anlagengrösse und Deckungsumfang. Ob sich eine Zusatzversicherung lohnt, haengt von Ihrer individuellen Risikobereitschaft und dem Wert Ihrer Anlage ab.
Typische Schadenereignisse und deren Behandlung
Hagelschaden
Hagel ist eine der haeufigsten Schadensursachen bei Solaranlagen in der Schweiz. Moderne Solarmodule sind nach IEC 61215 getestet und muessen dem Aufprall von Hagelkoernern mit einem Durchmesser von 25 mm und einer Geschwindigkeit von 23 m/s standhalten. Die meisten Module überstehen auch grössere Hagelkoerner unbeschadet, da das Frontglas aus gehaertetem Sicherheitsglas besteht. Bei extremem Hagel mit Koernern über 40 mm koennen jedoch Mikrorisse im Glas oder in den Solarzellen auftreten, die die Leistung beeintraechtigen.
Hagelschaeden sind oft nicht sofort sichtbar. Mikrorisse in den Zellen koennen die Leistung reduzieren, ohne dass aeusserlich ein Schaden erkennbar ist. Nach einem schweren Hagelunwetter sollten Sie daher die Monitoring-Daten Ihrer Anlage genau beobachten und bei einem auffaelligen Leistungsabfall einen Fachmann mit einer Thermografie-Untersuchung beauftragen, die Mikrorisse sichtbar machen kann.
Sturmschaden
Sturmschaeden an Solaranlagen aeussern sich typischerweise durch gelockerte oder abgerissene Module, beschaedigte Montagegestelle oder herabfallende Gegenstaende, die Module treffen. Die Widerstandsfaehigkeit gegen Sturm haengt massgeblich von der Qualitaet der Montage ab. Eine fachgerecht installierte Anlage mit korrekt dimensionierten Befestigungen haelt Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h stand. Maengel bei der Montage, wie zu wenige oder zu schwache Befestigungspunkte, koennen jedoch dazu fuehren, dass die Anlage bereits bei geringeren Windgeschwindigkeiten Schaden nimmt.
Blitzschlag und Überspannung
Ein direkter Blitzeinschlag in eine Solaranlage kann verheerende Schäden anrichten und den Wechselrichter, die Verkabelung und in schweren Faellen auch die Module zerstoeren. Noch haeufiger sind indirekte Blitzschaeden durch Überspannung, die durch Blitzeinschlaege in der Naehe verursacht werden. Ein korrekt installierter Überspannungsschutz auf der DC- und AC-Seite der Anlage kann das Risiko von Überspannungsschaeden erheblich reduzieren, ist aber keine absolute Garantie.
Wenn nach einem Gewitter Ihre Anlage nicht mehr funktioniert, schalten Sie sie am DC-Trenner ab und rufen Sie Ihren Installateur an. Versuchen Sie nicht, die Anlage selbst zu reparieren, da durch den Blitzschlag Schadstellen an der Isolation entstanden sein koennen, die eine Berueherungsgefahr darstellen.
Schadensfall: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Wenn Ihre Solaranlage durch ein Naturereignis beschaedigt wurde, gehen Sie wie folgt vor. Sichern Sie zunaechst die Anlage, indem Sie den DC-Trenner ausschalten und bei sichtbaren Beschaedigungen Abstand halten. Dokumentieren Sie den Schaden umfassend mit Fotos und Videos aus verschiedenen Perspektiven. Melden Sie den Schaden unverzueglich Ihrer Gebaeudeversicherung, in der Regel innerhalb von wenigen Tagen. Beauftragen Sie Ihren Installateur mit einer fachmaennischen Begutachtung des Schadens und der Erstellung eines Kostenvoranschlags für die Reparatur.
Die Versicherung wird in der Regel einen Sachverstaendigen schicken, der den Schaden begutachtet und die Schadenshoehe feststellt. Warten Sie mit der Reparatur, bis die Versicherung den Schaden anerkannt hat, es sei denn, es besteht eine unmittelbare Gefahr. Nach der Freigabe durch die Versicherung beauftragen Sie Ihren Installateur mit der Reparatur. Bewahren Sie alle Belege und Rechnungen sorgfaeltig auf und reichen Sie diese bei der Versicherung ein.
Praevention: Schäden vorbeugen
Die beste Versicherung ist die Vermeidung von Schäden. Ein qualifizierter Installateur sorgt durch fachgerechte Montage, korrekte Dimensionierung der Befestigungen und professionellen Überspannungsschutz dafür, dass Ihre Anlage den Naturkraeften bestmoeglich widersteht. Regelmaessige Wartung und Inspektion tragen ebenfalls zur Schadensverhuetung bei, da lose Verbindungen, korrodierte Befestigungen oder defekte Schutzeinrichtungen fruehzeitig erkannt und behoben werden koennen.
Achten Sie auch auf die Qualitaet der verwendeten Module. Module von etablierten Herstellern sind in der Regel robuster und widerstandsfaehiger als Billigprodukte. Fragen Sie Ihren Installateur nach der Hagelresistenzklasse der Module und stellen Sie sicher, dass sie mindestens die Standardanforderungen nach IEC 61215 erfuellen.
Fazit: Gut versichert und richtig reagieren
Eine Solaranlage ist eine langfristige Investition, die durch die richtige Versicherung und qualifizierte Installation gut geschuetzt werden kann. Pruefen Sie Ihren Versicherungsschutz, bevor ein Schadensfall eintritt, und stellen Sie sicher, dass Ihre Anlage korrekt in der Gebaeudeversicherung erfasst ist. Im Schadensfall handeln Sie besonnen, dokumentieren Sie alles sorgfaeltig und arbeiten Sie eng mit Ihrem Installateur und Ihrer Versicherung zusammen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Solaranlage schnell repariert wird und Sie wieder sauberen Strom produzieren koennen.
Qualitaet schuetzt vor Schaden
Eine fachgerecht installierte Solaranlage widersteht auch extremen Bedingungen. Finden Sie den richtigen Experten.
Jetzt Experten finden